Vor dem Partner auf Toilette gehen – ja oder nein?

Eine Freundin hat mir vor Jahren bei so nem Mutti-Latte-Macchiato-Treffen begeistert von ihrem neuen Schlafzimmer erzählt. Ihr Mann und sie hatten ein altes Haus nach ihren Wünschen umgestaltet und sich ein Eltern-Schlafzimmer mit angrenzendem Eltern-WC bauen lassen.

“Praktisch! Dann muss man nachts nicht so weit laufen.” meinte ich.

„Nee,“ sagte sie nach einem Biss in ihren Schokoladenmuffin, „ich würde doch nachts nicht auf dieses Klo gehen!“

„Warum nicht?“ wollte ich wissen.

„Dann hört der doch, dass ich pinkele!“

Ich verschluckte mich erst vor Lachen fast an meinem Latte Macchiato, merkte dann aber schnell, dass sie es ernst meinte.

Ich konnte nicht verstehen, dass man nach fast 10 Jahren Ehe und zwei gemeinsamen Kindern nicht voreinander auf Toilette ging. Aber meine Neugier war geweckt und ich wollte herausfinden…

🤔…sollte man vor dem Partner auf Toilette gehen?

🤔…killt der ungehemmte Besuch der Keramikabteilung die Erotik?

🤔…was sagt es über die Beziehung aus, wenn man voreinander aufs Klo geht (oder auch nicht)?

🤔…wie handhaben es die meisten Paare?

In diesem Artikel werfen wir also einen ungeschönten Blick hinter verschlossene Badezimmertüren. Ready?

vor dem Partner auf Toilette gehen

 

Wie machen das eigentlich die anderen?

Nach dem Gespräch mit meiner Freundin über das Ausbleiben des Voreinander-Pinkelns habe ich mich also im Freundes- und Bekanntenkreis umgehört.

Ich fand heraus, dass etwa die Hälfte der Paare voreinander auf Toilette gehen (und dies dann völlig natürlich finden), die andere Hälfte nicht (und häufig stark emotional / ablehnend reagieren).

Natürlich ist meine völlig unwissenschaftliche, private Umfrage kein Beweis für irgendwas 😉 Aber sie deckt sich mit einer großen Umfrage, die Tempo zur Einstellung der Deutschen, Österreicher und Schweizer zu Hygiene und Umgangsformen gemacht hat [1].

🚽46 % gehen voreinander aufs Klo

🚽16% machen keinen Unterschied, ob „groß“ oder „klein“

🚽mit steigendem Alter steigt die Bereitschaft, voreinander auf Toilette zu gehen

Doch wie kommt es, dass nur jeder zweite Mensch vor seinem Partner auf Toilette gehen würde?

 

Warum gehen viele nicht vor dem Partner auf Toilette?

Die wichtigsten Gründe dafür, dass bestimmte Dinge wie Körpergeräusche, Gerüche oder andere vermeintlich "peinliche" Details oft hinter verschlossenen Türen bleiben, sind:

  1. Scham: Schamgefühle für die eigenen Körperfunktionen können es erschweren oder unmöglich machen, vor dem Partner aufs Klo zu gehen.

  2. Fehlende Vertrautheit: Vor allem am Anfang vieler Beziehungen ist es undenkbar, voreinander das stille Örtchen zu besuchen. Doch auch in Langzeitbeziehungen kann fehlende Vertrautheit ein Grund dafür sein, nicht vor dem Partner auf die Toilette zu gehen.

  3. Angst vor Abfall der Erotik: Viele fürchten, durch Gerüche oder Geräusche weniger attraktiv zu wirken. Das Gerücht, Paare bräuchten Geheimnisse voreinander (wie, dass man eben doch furzt und kackt), damit die Erotik nicht einschläft, hält sich hartnäckig (und ist großer Quatsch). Fast alle Paare leiden früher oder später unter einem Abfall der erotischen Spannung; es gibt keine Korrelation mit gemeinsamen Klogängen. Wer seinen Partner oder seine Partnerin aufgrund von natürlichen Körperfunktionen weniger attraktiv findet (liebevoller Wink mit dem Zaunpfahl an diejenigen Männer, die sich mit der Menstruation ihrer Partnerin partout nicht beschäftigen wollen oder seit der Geburt ihres Kindes keine Lust mehr auf ihre Frau haben), hat garantiert einige Hausaufgaben im Bereich Selbstakzeptanz, Körperbewusstsein, Authentizität und Schamgefühl zu erledigen. Und: Das ist nicht schlimm. Es wird seine Gründe haben. Die Frage ist nur, ob man nicht lieber lernen will Erotik über sicherere Methoden zu erschaffen, als vorzugaukeln man hätte keinen Stuhlgang 😉

 

Was sagt es über eine Beziehung aus, wenn man nicht voreinander auf Toilette gehen kann?

Erst einmal so viel wie ein Stimmungsring über die Stimmung.

Aber:

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass Paare, die vehement GEGEN die offene Klotür sind, selten vollständig ehrlich und transparent miteinander umgehen.

Und ich meine nicht das allseits gern dahingesagte „Wir können uns alles sagen.“ Ich meine das ganz ehrliche, tiefe, aufrichtige, wahrhaftige „Wir können uns ALLES sagen.“ Schattenseiten, Kindheitstraumata, sexuelle Vorlieben und Wünsche, Eingeständnisse unserer Fehler, Lust auf jemand anderen, Zweifel an der Beziehung. ALLES eben.

Die geschlossene Badezimmertür könnte also ein Hinweis für mangelnde Ehrlichkeit und Authentizität miteinander sein.

Stan Tatkin, eine Größe auf dem Gebiet der Familien- & Paartherapie und Entwickler des psychobiologischen Ansatzes der Paartherapie, gibt mir in seinem Buch „Wired for Love“ Recht.

„I know this may sound strange and even a bit disgusting, but in my experience as a couple therapist, I have found that partners who fear – how do I say this delicately? – going to the bathroom in front of each other also fear telling each other everything.”

(S. 110)

(Übersetzung: “Ich weiß, das klingt vielleicht merkwürdig oder sogar ekelig, aber nach meiner Erfahrung als Paartherapeut denke ich, dass Paare, die Angst davor haben – wie sage ich das taktvoll? – voreinander auf Toilette zu gehen, auch Angst davor haben, sich alles zu erzählen.“)

Resoniert das mit dir?

stuhlgang Beziehung

3 gute Gründe, um vor dem Partner auf Toilette zu gehen

1. Es zeigt wahre Intimität

Intimität bedeutet mehr, als sich zu küssen oder nackt voreinander zu sein. Es geht darum, dem anderen alle Facetten von sich selbst zu zeigen – auch die, die wir als weniger "schön" empfinden. Vor deinem Partner auf Toilette zu gehen bedeutet, dass du dich in deiner ganzen Menschlichkeit akzeptierst und keine Angst davor hast, auch diese Seite zu zeigen.

2. Es stärkt das Vertrauen

Wenn du dich deinem Partner auch in unangenehmen Situationen öffnest, baust du eine tiefere Verbindung auf. Du signalisierst: "Ich vertraue dir so sehr, dass ich nichts vor dir verstecken muss." Dieses Vertrauen wirkt sich positiv auf alle Bereiche eurer Beziehung aus.

3. Es normalisiert den menschlichen Körper

Die Tabuisierung von Körperfunktionen führt oft dazu, dass wir uns für unseren Körper schämen. Doch das ist unnötig. Wir alle haben die gleichen Bedürfnisse, und es ist befreiend, wenn du das in deiner Beziehung normalisieren kannst.

 

So überwindest du die Scham: Tipps für mehr Offenheit

Wenn du dich bei dem Gedanken, vor deinem Partner auf Toilette zu gehen, unwohl fühlst, ist das vollkommen normal. Du musst ja nicht gleich auf eine Partnertoilette [2] umstellen (seriously, sowas gibt es!). Doch du kannst daran arbeiten, deine Hemmschwelle zu überwinden. Hier sind ein paar praktische Tipps:

  1. Reflektiere dich selbst: Welche deiner Körperfunktionen (oder deines Partners / deiner Partnerin) kannst du annehmen, welche sind für dich schambehaftet? Und schambehaftet ist anders als beispielsweise den Geruch unangenehm zu finden. Also, da hätten wir (ja, da musst du jetzt durch):

  2. Normalisiere es: Sprecht offen über Körperfunktionen und lacht darüber. Humor kann helfen, die Ernsthaftigkeit aus dem Thema zu nehmen. Wenn du Kinder hast, ist deine Entwicklung relevant dafür, die Scham über völlig natürliche Dinge gar nicht erst entstehen zu lassen.

  3. Fang klein an: Du musst nicht direkt Deeptalk beim Kacken haben. Beginne damit, das Thema „voreinander aufs Klo gehen“ anzusprechen und daran zu arbeiten, dich in dieser Hinsicht wohler zu fühlen. Vielleicht ist ein nächster Schritt, die Badezimmertür beim Pinkeln offen zu lassen. Es wird mit der Zeit leichter, I promise.

  • Urinieren

  • Stuhlgang

  • Flatulenz (Pupsen)

  • Erbrechen

  • Schwitzen

  • Menstruation

  • Popel & Ohrenschmalz

  • Ejakulation (Sperma)

  • Squirten (weibl. Ejakulation)

  • Geburt und alle Körperflüssigkeiten und -funktionen die damit einhergehen

  • Hab ich was vergessen?

    ➡️Wie haben deine Eltern früher jeweils reagiert? In vielen Familien wird über Körperausscheidungen (genau so wie über Sex, Masturbation usw.) nie gesprochen – und damit ein großer, schambehafteter Riegel vor das Thema geschoben. Auch Verniedlichungen, Euphemismen und ein strafendes „Pfui! Das macht man nicht!“ erzeugen Scham vor den eigenen Körperfunktionen.

partner toilette

 

Fazit: Warum du vor deinem Partner auf Toilette gehen solltest

Vor dem Partner auf Toilette zu gehen mag im ersten Moment weder angenehm noch wichtig erscheinen, doch der zweite Blick lohnt sich.

Vielleicht sagt dein Kloverhalten überhaupt nichts über deine Beziehung aus – oder du kannst erkennen, dass in Bezug auf emotionale Reife, Authentizität und Ehrlichkeit noch Luft nach oben ist.

Vielleicht kannst du mit deinem Partner / deiner Partnerin gemeinsam lernen, schambehaftete Themen anzuschauen und mehr in annehmenden Kontakt mit deinem Körper zu kommen.

In jedem Fall lade ich dich dazu ein, etwas für deine reife, erfüllte und liebevolle Beziehung zu tun. Sei es der gemeinsame Gang auf Toilette, ehrliche Gespräche über Nähe & Authentizität oder ein kostenloses Beratungsgespräch mit mir.

You’ve got this. ❤️

 

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